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Umgang mit Veränderung

Geschrieben von nushu crew am 6. Februar 2020

 

Kirstin Hahne wagte 2018 nach 15 Jahren Festanstellung den beruflichen Neustart – mit bewusster Aus- und Bedenkzeit dazwischen. „Ohne das, was sich durch die damalige interne Umstrukturierung für mich an Veränderungen in meinem Job ergeben hat, wäre ich nicht gegangen." Kirstin ging und hat sich auf die Suche nach ihrem Weg gemacht – eine Entscheidung, die sie heute für die beste ihres Lebens hält! Was ihr dabei geholfen hat? Eine klare Haltung, ein gesunder Optimismus und der Mut, auf sich selbst und den eigenen Bauch zu hören.


Über Kirstin Hahne

Kirstin Hahne

Kirstin lebt in Hamburg und arbeitet seit Mitte 2018 als Trainerin und Coach, sowie zuletzt in Teilzeit als HR Managerin bei der New Work SE (ehem. XING SE). Sie liebt gutes Essen und beste (argentinische) Rotweine. Ihr Lieblingsmensch ist ihre kleine Nichte, die sich sogar ein Tattoo auf Kirstins Arm verdient hat. Kirstin umgibt sich gerne mit Menschen und das nicht nur beruflich, sondern auch privat. Ihre schönste und bisher unvergesslichste Erfahrung war eine dreimonatige Reise durch Mittelamerika, die sie alleine gemacht hat.


Du warst 15 Jahre fest angestellt – dann hast du dich entschlossen, nochmal von vorne anzufangen. Wie kam es dazu?

Ich war viele Jahre sehr glücklich in meinem bisherigen Job bei einem großen Hamburger Konzern – persönlich und beruflich. Nach knapp 14 Jahren kam ich aber in die Situation, einen Chef zu bekommen, mit dem eine Zusammenarbeit von Anfang an schwierig und sehr schnell unmöglich wurde. Ich hatte bisher mit allen Kolleg*innen, Mitarbeiter*innen und Chef*innen immer gute Wege gefunden, vernünftig und vertrauensvoll zusammenzuarbeiten. Hier war es das erste Mal nicht möglich. Mir wurde in einer monatelangen Phase der Auseinandersetzung klar, dass meine Werte, meine Vorstellung von Führung, meine Art zu arbeiten, meine Kompetenz und das Profil, das ich mir in all den Jahren erarbeitet hatte, von meinem neuen Chef weder akzeptiert noch wertgeschätzt wurden. Mir war klar, dass ich unter diesen Umständen nicht arbeiten würde. Ich habe also Entscheidungen getroffen: Zu gehen. Sicherheit aufzugeben – nicht nur finanziell. Eine bewusste Auszeit zu nehmen. Auf das zu hören, was ich wirklich will. Und dann noch einmal ganz neu anzufangen.

Wie haben Andere reagiert, als du deine Plänen geteilt hast? 

Während der Entscheidungsphase selber habe ich mich sehr oft mit den Ängsten Anderer konfrontiert gesehen. Insbesondere das Thema finanzielle Sicherheit war für viele ein hartes Argument. Und auch ich hatte das natürlich im Kopf. Es war aber nicht groß genug, mich die Situation aushalten lassen zu wollen. Gott sei Dank! Sehr viele Menschen fanden mich sehr mutig, als ich noch das Gefühl hatte ,,Wieso mutig? Etwas anderes kommt für mich nicht in Frage!”. Und ich habe oft das Feedback bekommen, dass meine Geschichte inspirierend ist und eben wirklich Mut macht. Wenn ich von dem Thema erzähle oder Vorträge halte, sehe ich oft Tränen in den Augen der Zuhörer*innen. Und dann wieder ein Lächeln, wenn sie hören, wie ich mit der Situation und Krise umgegangen bin und wie es mir jetzt und mit meiner Entscheidung geht.   

Der Umgang mit Veränderungen ist eines deiner Herzensthemen. Warum?

Mir ist es wichtig, Mut zu machen. Nicht jede Veränderung ist erwünscht oder selber herbeigeführt. Manchmal kommt der Impuls von außen. Wenn die Veränderung sich gut anfühlt: Super. Wenn nicht: Tu etwas! Ich erlebe oft, dass Menschen die Verantwortung für das eigene Unwohlsein bei Anderen und in äußeren Umständen suchen. Und dann lieber in einer angeblichen Komfortzone bleiben, die gar nicht mehr komfortabel ist. Und hoffen, dass jemand anderes sie aus dieser erlöst. 

Ich halte es für sinnvoller und vor allem deutlich befriedigender, selber aktiv zu werden, die Zügel in die Hand zu nehmen, eigene Entscheidungen zu treffen und die Veränderung zu eigenen Gunsten zu gestalten. Und so sogar aus einer Krise etwas Gutes zu ziehen und sich nicht zu ihrem Opfer zu machen. Dafür braucht es Mut. Mut, einen klaren Standpunkt und eine klare Haltung zu entwickeln und aus dieser Haltung heraus klare Entscheidungen zu treffen. Meine Geschichte ist keine, die man in den großen Podcasts hört. Aber sie ist eine, die aus einer Situation heraus entstanden ist, in die jede*r von uns geraten kann. Ich möchte Impulse setzen, inspirieren, den Anstoß liefern, aus einer unguten Situation auszubrechen oder auch nur endlich den schon lange gehegten aber noch nicht gelebten Traum zu leben. Bei mir kam beides zusammen: Ich wollte raus aus dem, was mir nicht mehr gut getan hat und habe mich getraut, noch einmal ganz von vorne anzufangen. Und ich kann mich nur wiederholen: Eine Veränderung aktiv zu gestalten und sich nicht zu ihrem Opfer zu machen und auf die Hilfe anderer zu hoffen, ist für mich der Schlüssel. 

Ich glaube, dass sowohl Männer als auch Frauen in nicht mehr komfortablen Komfortzonen hängenbleiben. Ich kann mir aber vorstellen, dass Frauen länger versuchen ,,auszuhalten" und sich die ,,Schuld" für eine verfahrene Situation oder Krise geben. Sie trauen sich außerdem den Schritt ins Ungewisse möglicherweise weniger zu als Männer. Eine solche Denke, gepaart mit einer ,,Kompetenz-Demenz" und Zweifeln an den eigenen Stärken, erhöht die Hemmschwelle für einen Neuanfang und ist nicht hilfreich beim Nachdenken über berufliche Alternativen. 

Kirstin Hahne

Welche drei Tipps ziehst du aus deiner Veränderungsphase?

  1. Höre auf deinen Bauch: Ich hätte andere und, im Nachhinein betrachtet, für mich schlechtere Entscheidungen getroffen, wenn ich auf Andere anstatt auf mich selbst gehört hätte. Nimm dir hierfür – falls möglich – eine Auszeit.  
  2. Suche dir gute Gesprächspartner*innen: Suche dir Menschen, die dich konstruktiv challengen und die dich nicht nur bestätigen oder ihre eigenen Themen und Gedanken auf dich projizieren. Und Menschen, die ähnliche Schritte schon gegangen sind. Und vielleicht einen neutralen Coach. 
  3. Mach einfach und triff eine Entscheidung! Sie muss ja nicht für die Ewigkeit gelten! Wenn es nicht die richtige war, darfst du eine neue treffen. Das habe ich einmal von Janina Kugel gehört und das begleitet mich seitdem.

Hattest du bei deinem Neuanfang ein Role Model, das dich inspiriert hat?

In meiner ,,Umbruchsphase" hatte ich kein Role Model. Vielleicht hätte mir das in manchen Momenten geholfen. Vielleicht war es aber auch gut, keins zu haben. Denn so konnte und musste ich mich auf mich konzentrieren. Ich habe in der ganzen Phase zwischen Entscheidung, das bisherige Unternehmen zu verlassen und dem Beginn mit den neuen Themen gelernt, auf mich selber zu hören. Und auf mich zu vertrauen. Es dauerte ehrlich gesagt eine Weile, bis ich mir selber vertraut habe. Und ich beim ,,auf-mich-hören" auch wirklich meine eigenen Antworten bekam. Ich habe gemerkt, wie sehr ich bisher von den Erwartungen und Mustern Anderer in meinem Umfeld beeinflusst war. Ich würde also weniger sagen, dass mich während dieser Phase der Veränderung jemand besonders geprägt hat, sondern vielmehr, dass ich mich anders und besser kennengelernt habe. Die Phase also mich geprägt hat. 

Die Geschäftsführerin des Trainernetzwerks, für das ich freiberuflich arbeite, gibt uns gerne mit: ,,Du bist dein bestes Tool". Und ehrlich gesagt habe ich auch in dieser zum Teil sehr unschönen und schmerzhaften Phase der beruflichen Veränderung sehr viel auf mich selber vertraut. Insbesondere bei der Frage, was ich will und was ich nicht will, was ich bereit bin zu geben und auch aufzugeben, war ich meine einzige zuverlässige Informationsquelle. Denn was ich will und wie sich bestimmte Situationen und Entscheidungen anfühlen, kann nur ich für mich beantworten. Darüber hinaus helfen Experten, wie in meinem Fall ein wirklich fantastischer Anwalt für Arbeitsrecht, der rational schaut, was die richtige Strategie sein kann. Und bei der Entscheidung, als Trainerin und Coach arbeiten zu wollen, habe ich natürlich auch mit Menschen gesprochen, die als Trainer und Coach arbeiten. 

Apropos Vorbilder: Im Podcast ,,Rolemodels" findet man immer wieder schöne Stories. Mein Gefühl ist, dass es gerade so viele Frauen – und natürlich auch Männer – gibt, die aus Überzeugung Unternehmen gründen, weil sie strukturell anders arbeiten wollen, weil sie an ein bestimmtes Produkt glauben, weil sie eine bestimmte Message transportieren wollen – und die meisten dieser Frauen haben vorher in angestellten Jobs gearbeitet. Sie geben ihre Sicherheit auf, um für ihre Überzeugung zu kämpfen. Und sie geben teilweise nicht nur finanzielle Sicherheit auf, sondern investieren zusätzlich noch. Ich glaube, was ich mit solchen Stories und Beispielen gemeinsam habe, ist eine klare Haltung, der Glauben daran, dass es klappen wird und ein Häppchen Mut.

 

Fotocredit: Nils Hasenau

Topics: nushu input

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