Female Business Podcast | Karriere, Empowerment & inspirierende Frauen

#224: New work? Angstellt & Soloselbstständig?

Geschrieben von nushu redaktion | Aug 24, 2026, 8:00:02 AM
 

New Work? Angestellt und soloselbstständig – so funktioniert's und daran musst du denken

Lange war das Verhältnis bei nushu klar: 70 % festangestellt, 30 % selbstständig. 7Gerade verschiebt sich das.

In immer mehr Gesprächen hören wir von Frauen, die sich parallel zum Job freiberuflich orientieren. Häufig gar nicht all in, sondern erstmal tastend – als zweites Standbein, als Ausgleich zum Hauptjob, als Traum, den sie sich schon lange erfüllen wollten. Oder in Zeiten wie diesen als Absicherung, falls im Hauptjob doch mal etwas ins Wanken gerät.

Studien bestätigen dieses Gefühl: Laut KfW ist die Zahl der Nebenerwerbsgründungen in Deutschland 2025 auf rund 483.000 gestiegen – ein Rekordwert, der die 206.000 Vollerwerbsgründungen deutlich übertrifft. Ein Nebenerwerb ist längst kein Übergangsmodell mehr, sondern fester Teil moderner Karrieren.

Wer nebenberuflich gründet, kann eine Idee testen, ohne gleich alles auf eine Karte zu setzen, sich ein zweites finanzielles Standbein aufbauen oder eine Leidenschaft ausleben, die im Hauptjob keinen Platz hat. Auch bei unseren Membern sehen wir, welche Modelle besonders gut funktionieren: digitale Dienstleistungen wie Marketing oder Design, Onlineshops und wissensbasierte Angebote wie Coaching oder Beratung. Die Vorteile: wenig Startkapital, keine festen Öffnungszeiten, geringe Fixkosten – und die Möglichkeit, die Selbstständigkeit Schritt für Schritt auszubauen.

Wie das konkret aussehen kann, zeigt Svenja Saß. Hauptberuflich ist sie Delivery Lead für Business Applications, nebenbei hat sie mit "KI und Kuchen" ein eigenes Workshop-Format aufgebaut, das Künstliche Intelligenz aus der Tech-Nische holt und für den Alltag zugänglich macht. Anhand ihres Wegs zeigen wir dir, wie der Einstieg in die Soloselbstständigkeit neben dem Vollzeitjob funktionieren kann – und woran du von Anfang an denken solltest.

So funktioniert's

Erst testen, dann planen. Svenjas erstes Event hatte weder fertigen Markenkern noch Social-Media-Strategie oder Businessplan. Was sie hatte: ein Café, ein festes Datum und rund 18 Personen aus ihrem privaten Umfeld, die sie um ehrliches Feedback gebeten hat. Ein Testlauf zeigt dir schneller, ob dein Konzept trägt, als monatelange Theorie – und das Datum im Kalender ist gleichzeitig das Commitment, das dich ins Machen bringt.

Umsatzdruck rausnehmen. Damit sie sich beim ersten Event nicht zusätzlich um Zahlen kümmern musste, hat Svenja alles gespendet, was nach den Kaffee-Kosten übrig blieb. Ein Weg, sich selbst die Freiheit zu geben, erstmal nur das Format zu testen, statt gleich auf Umsatz zu schielen.

Intern abklären, bevor du sichtbar wirst. Bevor du mit einer Nebentätigkeit startest, kläre mit deinem Arbeitgeber, ob sie erlaubt ist und nicht in Konkurrenz zum Hauptjob steht. Bei größeren Unternehmen läuft das meist über einen HR-Prozess. Das kostet Vorlauf – plane also frühzeitig ein, dass diese interne Freigabe eine Weile dauern kann.

Rechtliches ist machbar, keine Blackbox. Gewerbeanmeldung und Steuer-ID lassen sich komplett online erledigen, KI-Tools helfen beim Ausfüllen der einzelnen Schritte. Für den Einstieg als nebenberufliche Einzelunternehmerin greift oft die Kleinunternehmerregelung: aktuell bist du bis 25.000 Euro Jahresumsatz von der Umsatzsteuer befreit. Der Prozess dauert ein paar Wochen, ist aber überschaubar. Was bleibt: Du musst trotzdem ordentlich Rechnungen schreiben und ein Impressum haben.

Prioritäten von Anfang an klarmachen. Und zwar bevor der Konflikt entsteht, nicht erst, wenn zwei Termine kollidieren. Bei Svenja hat der Hauptjob klar Priorität – im Umkehrschluss heißt das: Ihre Freiberuflichkeit entsteht am Wochenende und abends. Diese Entscheidung von vornherein zu treffen, nimmt dir spätere Diskussionen mit dir selbst ab.

Nicht alles gleichzeitig aufziehen. Statt direkt mehrere Formate oder Standorte parallel zu bespielen, ein Event nach dem anderen durchführen: erst Konzeption, dann Planung, dann Durchführung, dann Auswertung – und erst danach die nächste Runde starten. So bleibt Raum, das Feedback aus jeder Runde tatsächlich einzubauen.

Mit Vorlagen skalieren. Ein wiederverwendbares PowerPoint-Master-Deck, feste Vorlagen für Rechnungen und Eventbeschreibungen – Svenja hat sich das in einem eigenen KI-Projekt strukturiert abgelegt. Je öfter du dein Format durchführst, desto mehr Zeit gewinnst du für Feinschliff statt für Organisation.

KI als Sparringspartner nutzen. Nach ihrem ersten Event hat Svenja sich zwei Wochen Zeit genommen, um mit KI-Unterstützung 100 Fragen zu ihrem Markenkern durchzuarbeiten – was sie will, was Teilnehmende fühlen sollen, welche Qualitätsstandards jedes Event erfüllen muss. Seitdem nutzt sie einen eigenen KI-Agenten als Sparringspartner, der neue Ideen gegen diesen Markenkern checkt, bevor sie sich verzettelt.

Daran musst du denken

Zeit ist der unterschätzte Faktor. Ein Vollzeitjob plus Aufbauphase bedeutet: Abende, Wochenenden, manchmal Urlaub. Mach dir vorher klar, wie viel du bereit bist zu investieren – und wie viel Erholungszeit du zwischen beiden Rollen brauchst, um nicht auszubrennen.

Sichtbarkeit betrifft auch deinen Hauptjob. Sobald du sichtbar wirst, sehen das nicht nur Kolleginnen, sondern möglicherweise auch Kundinnen deines Arbeitgebers. Überleg dir vorher, für welche Themen du stehst und ob sich das mit deiner Rolle im Hauptjob verträgt.

Realistisch bleiben. Setz dir Ziele, die zu deiner tatsächlichen Kapazität passen – nicht zu dem, was theoretisch möglich wäre. Svenja hat sich bewusst gegen ein Event pro Woche entschieden, weil das mit Reisetätigkeit im Hauptjob nicht zusammenpasst.

Mehr davon in der aktuellen Podcast-Folge

In der aktuellen Folge von Female Business – Der nushu Podcast erzählt Svenja Saß noch ausführlicher, wie sie mit "KI und Kuchen" gestartet ist, warum ihr Arbeitgeber von ihrer Solo-Selbstständigkeit profitiert und wie sie ihre Prioritäten managt.

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