Female Business Podcast | Karriere, Empowerment & inspirierende Frauen

#226 Selbstfürsorge gehört an den Anfang der To-do-Liste – mit Anna Linares-Ebert

Geschrieben von nushu redaktion | Oct 19, 2026, 8:44:06 AM
 

Selbstfürsorge an den Anfang der To-do-Liste: was wirklich hilft

Du organisierst Projekte, behältst im Team den Überblick und springst ein, wenn es brennt. Und wo stehst du selbst auf deiner To-do-Liste? Wahrscheinlich ganz unten, wenn überhaupt.

Um dieses Paradox geht es in der neuen Folge von „Female Business – Der nushu Podcast“: Gerade die Frauen, die im Job am meisten Verantwortung tragen, planen sich selbst oft als Letzte ein. Darüber spreche ich mit Anna Linares-Ebert. Sie ist Family-Career-Beraterin und begleitet Frauen zu Frauengesundheit und Vereinbarkeit. Wir sprechen darüber, warum das so ist, was es dich kostet und welche kleinen Hebel im Alltag wirklich etwas verändern.

Wenn Selbstfürsorge zum nächsten To-do wird

Viele Frauen, mit denen Anna arbeitet, sind sehr diszipliniert. Sport, gesunde Ernährung, Verabredungen mit Freundinnen: Das alles bekommen sie in ihren Kalender. Das Problem ist der Antrieb dahinter. Selbstfürsorge fühlt sich dann nicht wie etwas für dich selbst an, sondern wie ein weiterer Punkt auf der To-do-Liste.

Annas Ansatz: Verbinde dich wieder mit deinen eigenen Bedürfnissen. Wer viel Verantwortung für ein Team oder für Kinder trägt, verliert die oft aus dem Blick. Ein kurzer Check-in vor dem Training kann schon helfen. Brauchst du heute das harte Kraft-Workout oder eher Stretching? Und wenn die Energie nachmittags absackt, brauchst du dann wirklich Schokolade und Kaffee oder eher fünf Minuten frische Luft?

Warum der perfekte Moment für dich nie kommt

Den ganzen Tag über nehmen Energie und Entscheidungskraft ab. Wer mit der Selbstfürsorge wartet, bis alle anderen versorgt sind, hat am Abend oft keine Reserven mehr. Anna sagt dazu:

„Erstens kommt dieser Moment eigentlich nie, dass alles erledigt ist und niemand mehr was von uns will.“

Dahinter stecken oft Glaubenssätze wie „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen“. Wer Selbstfürsorge als Vergnügen einordnet, schiebt sie automatisch nach hinten. In der Folge erklärt Anna, warum sie das anders sieht.

Vereinbarkeit, Mental Load und der ständige Vergleich

Die Hürden bei der Vereinbarkeit kennen alle, die Kinder haben: knappe Betreuungszeiten, unflexible Arbeitszeiten, wenige Führungsstellen in Teilzeit. Dazu kommen der Mental Load und eine Doppelbelastung, bei der es keinen echten Feierabend gibt.

Ein Druck kommt noch dazu: der Vergleich auf Social Media. Auf Instagram sind das die Mütter, die Montessori-Spielzeug selbst basteln. Auf LinkedIn die Karrieremütter, die kurz nach der Geburt wieder auf der Konferenzbühne stehen. Anna setzt dem Good Enough Parenting entgegen und einen klaren Satz: „Manchmal ist gut genug auch wirklich gut genug.“ Warum das Leben in Phasen verläuft und was das für deine Prioritäten heißt, hörst du in der Folge.

Burnout als Statussymbol: „Busy“ ist keine Antwort

In einer früheren Festanstellung erlebte Anna, wie eine Kollegin im Team-Workshop sagte: In diesem Unternehmen sei nicht die Frage, ob man ein Burnout bekomme, sondern wann. Für Anna war das der Anlass, sich beruflich neu auszurichten.

Und es fängt schon im Kleinen an. Auf die Frage „Wie geht’s dir?“ antworten viele mit „Gerade busy“. Dabei ist das, so Anna, „gar keine Antwort auf die Frage, wie es einem geht“. Viel zu tun zu haben ist zu einer Art Status geworden. Wer dagegen sagt, dass sie gerade entspannt ist, gilt schnell als wenig ambitioniert.

Der Werte-Equalizer: Leben deine Werte auch in deinem Alltag?

Besonders konkret wird es beim Thema Werte. Anna arbeitet mit einer Liste von rund 90 Werten. Dabei streichen viele zuerst die Werte an, die ihnen wichtig sein sollten. Im Gespräch prüft Anna dann an Alltagssituationen, welche Werte wirklich gelebt werden.

Ein Beispiel aus ihrer Praxis: Eine Klientin stellte fest, dass ihr Harmoniebedürfnis aus der Familie stammte. Ihr eigentlich wichtiger Wert Kommunikation kam dadurch zu kurz. Die Methode dahinter ist ein Werte-Equalizer, aufgebaut wie ein DJ-Pult. Wie er funktioniert und warum du mit fünf Reglern anfangen solltest, erklärt Anna in der Folge.

Was Unternehmen leisten müssen

Heute gibt Anna vor allem Workshops in Unternehmen, etwa zu gesunder Ernährung im vollen Alltag oder zu Schlaf. Ihr geht es um kleine Stellschrauben, die wenig Aufwand kosten und viel bewirken. Ein Beispiel ist ihr Ernährungs-Baukasten, mit dem selbst ein Pausenbrot zur ausgewogenen Mahlzeit wird.

Gleichzeitig zieht sie eine klare Grenze. Es reicht nicht, wenn Einzelne ihr Verhalten ändern. Unternehmen müssen auch an den Verhältnissen arbeiten:

„Wir können eben keine zu volle To-do-Liste wegatmen oder wegmeditieren.“

Das nimmst du aus der Folge mit

  • warum Selbstfürsorge-Routinen oft genau dann nicht funktionieren, wenn du sie am meisten brauchst
  • wie ein 30-Sekunden-Check-in deine Entscheidungen im Alltag verändert
  • wie du mit dem Werte-Equalizer herausfindest, wo die Lücke zwischen deinen Werten und deinem Verhalten am größten ist
  • warum Selbstfürsorge die Grundlage für gute Führung ist

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